Im Film wird dargestellt, wie Hannah und ihr Vater unfair behandelt und verletzt werden, weil sie jüdisch sind. Das nennt man Antisemitismus – Diskriminierung gegen Jüdinnen_Juden.
Der Film spielt im Jahre 1938 und zeigt uns einen Einblick in diese Zeit. Antisemitismus gab es schon davor und leider gibt es ihn auch heute noch. Jüdische Menschen sind noch immer davon betroffen und fühlen sich an vielen Orten nicht sicher.
Karli ist darüber, was Hannah und ihr Vater erleben, sehr schockiert. Geht es dir auch so? In diesem Modul beschäftigen wir uns mit Antisemitismus, antijüdischen Gesetzen, Fluchtversuchen und Widerstand.
Antisemitismus bedeutet, dass es viele Vorurteile über Juden_Jüdinnen gibt und Juden_Jüdinnen schlecht und unfair behandelt oder bedroht werden. Sie werden mit Worten oder Taten verletzt. Auch jüdische Einrichtungen wie Synagogen (jüdische Gebetshäuser) werden angegriffen.
Einige Menschen sehen Jüdinnen_Juden nicht als einzelne, individuelle Menschen, sondern als eine Gruppe, über die sie viele falsche Dinge denken und sagen. Sie glauben zum Beispiel, dass jüdische Menschen etwas Schlechtes wollen oder nicht ehrlich sind. Solche falschen und ungerechten Gedanken und Ideen nennt man Vorurteile. Diese gibt es leider schon sehr lange, seit vielen hundert Jahren.
Zwischen 1933 und 1945 waren in Deutschland die Nationalsozialist*innen unter Adolf Hitler an der Regierungsmacht. Sie verfolgten besonders Jüdinnen_Juden und nutzten sie als Sündenbock für alle Probleme. Die Nazis dachten sich extra viele Gesetze aus, um jüdischen Menschen alle Rechte zu nehmen. Sie verschleppten sie in Lager, die Konzentrations- und Vernichtungslager hießen. Dort wurden Millionen von Jüdinnen_Juden systematisch ermordet. Diese Vernichtungsmaschinerie nennt man Holocaust. Neben jüdischen Menschen wurden auch andere Gruppen verfolgt, die die Nationalsozialist*innen nicht zu ihrer Vorstellung von Gesellschaft und Gemeinschaft dazuzählten. Dazu gehörten zum Beispiel Roma* und Sinti*, behinderte Menschen, politische Gegner*innen, homosexuelle Menschen und Zeug*innen Jehovas. Schon vor dem Holocaust richtete sich die nationalsozialistische Politik systematisch gegen Jüdinnen_Juden. Im November 1938 kam es zu den Novemberpogromen. Dabei zerstörten und plünderten organisierte Gewalttäter*innen – hauptsächlich Mitglieder der SA (Sturmabteilung; nationalsozialistische Kampforganisation) und andere Nationalsozialist*innen – Wohnhäuser und Geschäfte von Juden_Jüdinnen sowie Synagogen in vielen Städten Deutschlands. Auch viele Menschen aus der breiten Bevölkerung beteiligten sich an den Plünderungen der Wohnhäuser und Geschäfte. Über eintausend Menschen sind während der Reichprogromnacht ermordet und tausende verhaftet worden.
Die Nazis nahmen ab 1933 Jüdinnen_Juden ihre Rechte. Das heißt: Jüdinnen_Juden durften viele normale Dinge nicht mehr tun und wurden verfolgt. Die Nazis erließen mehr als 2.000 Gesetze und Verordnungen, um Jüdinnen_Juden systematisch auszugrenzen und sie aus dem öffentlichen Leben auszuschließen.
TC: 00:40:15 – 00:41:40
Jüdinnen_Juden durften schon vor 1938 nicht mehr Bahn fahren, telefonieren, ins Schwimmbad oder Kino oder zur Schule gehen. Sie mussten auf bestimmten Bänken im Park sitzen. In den darauffolgenden Jahren verschärften die Nazis ihre Gesetze noch mehr. Zum Beispiel durften Jüdinnen_Juden später nicht mehr in andere Länder reisen, ihren Wohnort wechseln und auch nicht mehr auswandern. Sie durften nicht mehr in ihren Berufen arbeiten und mussten einen gelben Stern tragen.
Nach 1945 gab und gibt es weiterhin verschiedene Formen von Antisemitismus. Es gibt alltägliche Vorurteile, aber auch rechtsradikale Hassreden und Verschwörungserzählungen gegen Jüdinnen_Juden – zum Beispiel falsche Behauptungen, dass sie heimlich die Welt kontrollieren würden. Juden_Jüdinnen und jüdische Einrichtungen wie Synagogen werden immer wieder angegriffen. Zum Beispiel versuchte ein Rechtsterrorist in Halle 2019 in eine Synagoge einzudringen. Nachdem das nicht gelang, erschoss er zwei Menschen. Er wollte explizit Jüdinnen_Juden, Muslim*innen und Schwarze Menschen töten. Auch das Gedenken an den Holocaust selbst wird angegriffen, zum Beispiel Gedenkstätten, oder der Holocaust wird klein geredet.
Allgemein nehmen Hass, Hetze und Gewalt gegen benachteiligte Bevölkerungsgruppen stark zu. Betroffen sind neben Juden_Jüdinnen etwa auch Roma* und Sinti*, Schwarze Menschen und Personen of Color, Geflüchtete, Muslim*innen und queere Menschen. Sogar im Bundestag vertreten einige Politiker*innen Positionen, die gegen demokratische Grundwerte verstoßen und Menschen systematisch ausgrenzen. Die Anzahl der Straftaten durch Rechtsextreme sind auf einem Rekordhoch.
Viele Menschen sind über diese Entwicklungen besorgt und engagieren sich gegen diese Diskriminierung und für Demokratie und Vielfalt.
Ein Film, der von der Vergangenheit erzählt, zeigt uns Figuren, die in ihre jeweilige Zeit passen. Dabei geben Filme allerdings nur einen Ausschnitt der Menschen und Verhaltensweisen ihrer Zeit wieder. Der Film DAS GEHEIME STOCKWERK bietet uns einen solchen Einblick in die Geschichte.
Karli
Georg
Bruno
Otto
Heinrich
Hermann
Hoteldirektor
PförtnerIm Nationalsozialismus suchten viele Menschen, die verfolgt wurden, nach Auswegen aus ihrer schwierigen Lage. Manche konnten aus Deutschland fliehen oder sich verstecken. Dabei gab es selten Menschen, die ihnen halfen. Die meisten Verfolgten mussten alleine mit großem Leid und vielen Gefahren umgehen.
Die Gefahr ging nicht nur von ranghohen Nazis aus. Auch viele Menschen aus der nahen Umgebung von Verfolgten konnten ihnen gefährlich werden.
Es gab viele, die die Nazis unterstützten – zum Beispiel durch aktive Hilfe oder durch das Melden und Verraten von Verfolgten. Solche sogenannten Denunziationen waren Alltag. Das bedeutete eine große Gefahr für jüdische Menschen wie Hannah und auch für Fluchthelfer wie Bruno.
„Sie haben wohl den Schuss noch nicht gehört!“ Otto verlangt von Bruno, das Horst-Wessel-Lied (Kampflied der SA) auf dem Klavier zu spielen. TC: 00:22:49
„Es würde mich nicht wundern, wenn das ein Homosexueller ist.“ Almuth beschwert sich bei Hoteldirektor Schneider über Bruno. TC: 00:24:57
„Du machst jetzt bei uns mit!“ Heinrich zwingt Karli, für ihn über Bruno zu spionieren.TC: 00:56:56
„Dann macht mein Bruder dich kalt!“ Hermann droht Karli, falls dieser ihn belügen sollte. TC: 01:11:10
Die große Mehrheit der deutschen Bevölkerung im Nationalsozialismus waren Sympathisant*innen und Mittäter*innen. Nur in wenigen Fällen leisteten Menschen Widerstand gegen das NS-Regime.
Was ist eigentlich Widerstand? Widerstand bedeutet: Man sagt oder tut etwas gegen etwas Ungerechtes und staatliches Unrecht. Wenn jemand etwas unfair findet, kann er*sie sich gegen das Unrecht wehren. Zum Beispiel: „Nein“ sagen, wenn etwas falsch ist, oder Menschen helfen, die verfolgt werden.
Im Nationalsozialismus haben nur wenige Menschen aktiv Widerstand geleistet – schätzungsweise einige Tausend. Das war eine kleine Anzahl von Menschen im Vergleich zur Gesamtbevölkerung. Viele Menschen unterstützten das Regime bewusst und aus Überzeugung. Einige blieben passiv, weil Widerstand sehr gefährlich war und harte Strafen drohten oder auch aus Bequemlichkeit.
Vor allem Menschen, die direkt verfolgt wurden, wie Jüdinnen_Juden oder politische Gegner*innen, leisteten Widerstand. Aber auch einzelne Künstler*innen, Intellektuelle und militärische Offiziere setzten sich gegen das Unrecht ein sowie einige Menschen christlichen Glaubens.
Vor allem Menschen, die direkt verfolgt wurden, wie Jüdinnen_Juden oder politische Gegner*innen, leisteten Widerstand. Der Widerstand war vielfältig: Manche halfen heimlich Verfolgten, etwa indem sie Menschen versteckten, Pässe fälschten oder Fluchthilfe leisteten. Andere protestierten gegen das NS-Regime oder druckten kritische Flugblätter.
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TC: 01:11:59 – 01:14:41
Fluchthelfer*innen halfen zahlreichen verfolgten Gruppen im Nationalsozialismus. Neben Jüdinnen_Juden unterstützten sie auch politische Gegner*innen, Roma* und Sinti*, Menschen mit Behinderungen, Homosexuelle, Zeug*innen Jehovas sowie andere Personen, die aufgrund des NS-Weltbilds verfolgt wurden.
Die Fluchtwege führten zu vielen unterschiedlichen Orten der Welt. Flüchtende suchten Zuflucht in den USA, Großbritannien, Frankreich, verschiedenen Ländern Südamerikas sowie in einigen Regionen Asiens und Afrikas. Die Einreise war oft mit hohen Hürden verbunden, wie Visa-Bestimmungen und langen, gefährlichen Reisen, meist mit Schiffen oder über beschwerliche Landwege.
Fluchthelfer*innen organisierten gefälschte Papiere, Tickets und sichere Routen. Sie waren lebenswichtig für die wenigen, die überhaupt fliehen konnten, und riskierten dabei oft ihre eigene Freiheit oder ihr Leben, da die Nationalsozialist*innen die Fluchthelfer*innen streng verfolgten, bestraften und auch ermordeten.
Wichtig: Im Film DAS GEHEIME STOCKWERK ist das Hotel in Österreich ein ganz besonderer Ort. Bruno erklärt Karli, dass im Hotel einige Menschen untertauchen und ihnen bei der Flucht geholfen wird. Das Hotel ist somit kein Abbild der damaligen Gesellschaft. Es war eine Ausnahme.