Filmgattung: Dokumentarfilm

Was ist beobachtete und was inszenierte „Wahrheit“? Zur Frage von Objektivität im Dokumentarfilm

„In der Regel gilt als Dokumentarfilm ein Film, der Ereignisse abbildet, die auch ohne Anwesenheit der Kamera stattgefunden hätten und /oder in dem reale Personen in ihrem Alltag auftreten – ein Film also, der sich an das Gefundene hält, nicht an das Erfundene.“ (Roth, mp 3/87)

Position 1

„Die Kamera geriert sich als Kopie des menschlichen Auges und müht sich, einen sozialen oder politischen Vorgang so abzubilden, wie er sich tatsächlich darstellt, ohne jeden Eingriff des Filmemachers.“
(Leacock u. a.) Schemazeichnung: Kamera = Auge

Position 2

„Die Kamera lehnt die Kopierhaltung ab, verhält sich gemäß ihren Absichten, bezieht Position, benutzt Winkel, Brennweiten, Zeitverzerrungen etc. zur optimalen und bewussteren Sichtbarmachung der äußeren Welt, ohne diese jedoch in irgendeiner Form zu verändern.“
(Vertov u. a.) Schemazeichnung: Zwei Kameras aus Untersicht filmen stehende Person

Position 3

„Die Kamera manipuliert sowohl den Aufnahmeprozess (gemäß 2.) als auch die abzubildenden Vorgänge, indem sie Szenen nachstellt etc.“
(Ivens u. a.) “ Schemazeichnung: Zwei Kameras aus Untersicht filmen Person die an Marionettenfäden hängt

Quelle: https://filmundgeschichte.com/objektivitaet-in-dokumentarfilmen

Aufgabe 4a

Schau dir folgende Szenen aus NIÑXS an. Welche Szenen wirken auf dich inszeniert, welche nicht? Ordne jede der drei Filmszenen einer der genannten Positionen zu. Begründe deine Einschätzung kurz.

Szene 1

TC: 00:34:40 – 00:36:07

Szene 2

TC: 00:58:46 – 01:00:29

Szene 3

TC: 00:30:04 – 00:31:18

Aufgabe 4b

Suche mit dem Kamerasymbol im Video-Player Standbilder, die deine Einschätzungen unterstützen. Untersuche die Filmsprache deiner Standbilder und füge die jeweils passenden Symbole hinzu.

Karla und Oliver liegen jeweils in ihren Betten und unterhalten sich per Handy im Splitscreen (=geteilten Bildschirm) über ein Verbot von Karlas Mutter. Bei Karla liegt Schminke auf dem Bett, bei Oliver ein Plüschtier. Anschließend zeigt der Film die Restaurantküche von Karlas Eltern. Karla kommt in kurzem Kleid und Lederjacke herein; ihre Eltern verbieten ihr, so auf eine Party zu gehen.

Karla steht geschminkt im Paradekostüm vor einer Gebirgswand. Das Filmteam schlägt mit den Händen eine improvisierte Klappe. Karla tanzt mit ihrem Paradestab in Zeitlupe. Die Kamera zeigt sie aus verschiedenen Perspektiven und Einstellungsgrößen, mit zahlreichen Schnitten.

Karla, Oliver und Valentina schminken sich in Karlas Zimmer für das mexikanische Totenfest. Oliver trägt ein Haarband mit Blumen. Karla möchte viel Make-up auftragen, während Oliver und Valentina versuchen, sie davon abzubringen. Sie diskutieren darüber.

Einstellungsgröße
Kameraperspektive
Kamerabewegungen
Zeitlupe
Textkärtchen

Arbeitsfläche, auf Video-Standbilder, Filmsprache-Icons und Textkärtchen gespendet werden können.

Aufgabe 5a

Beendigung geschlechtsspezifischer Gewalt

Geschlechtsspezifische Gewalt

„Gewalt gegen Frauen, Lesben, inter-, nicht binäre, trans*- und agender Personen (FLINTA) ist weltweit verbreitet und betrifft alle Altersgruppen. Im Jahr 2024 wurden weltweit 50.000 Frauen und Mädchen von ihren Partnern oder Familienmitgliedern getötet. In Mexiko etwa wurden täglich 10 Frauen getötet, wobei davon nur ein Fall aufgeklärt wird. Von 281 getöteten Trans*Personen lebten 190 in Lateinamerika und der Karibik.“

Schau dir folgende Filmszene aus NIÑXS an.

Karla lässt in Zeitlupe pinken Glitzer durch ihre Finger rieseln und erzählt von ihrem Leben als Trans*Teenager in Tepoztlán. In Schuluniform läuft sie durch die Straßen und wird von erwachsenen Männern verspottet. Die Szene läuft rückwärts, und Karla wehrt sich in ihrer Fantasie mit Geodreiecken und ihrem Rucksack. Drei Männer liegen am Boden, einer davon blutüberströmt, während ein vierter flieht.

TC: 00:45:25 – 00:47:23

Die Szene zeigt nicht die Wirklichkeit, sondern Karlas Fantasie. Wie wirkt die Szene auf dich? Erstelle eine Wortwolke und spende passende Begriffe auf die Arbeitsfläche. Ziehe gut zutreffende Beschreibungen groß und die weniger passenden klein. Du kannst auch eigene Beschreibungen hinzufügen.

Textkärtchen

Arbeitsfläche, auf die Textkärtchen und vorgegebene Begriffe gespendet werden können. Beide können größer oder kleiner gezogen werden.

Aufgabe 5b

Stell dir nun vor, jemand sieht den Film, ohne etwas über das Leben von Karla und von Trans*Personen in Mexiko zu wissen. Hilft diese inszenierte Fantasieszene den Zuschauenden dabei, Karlas Situation besser zu verstehen? Begründe kurz deine Meinung.

Aufgabe 5c

Hast du Ideen, wie du Karlas Wut und Ängste filmisch umsetzen würdest? Falls ja, skizziere sie hier kurz.

Aufgabe 6a

Regisseur Kani Lapuerta vor der Kamera

Kani Lapuerta

Kani Lapuerta ist ein trans*-Mann und trans*-Filmemacher aus Mexiko. Er hat Dokumentarfilm studiert und macht Filme über Menschen, die oft wenig gesehen oder gehört werden. In seinen Filmen hinterfragt er Vorstellungen über Geschlecht, Identität und den eigenen Körper. Der Regisseur Kani ist selbst öfter mal im Film zu sehen.

Karla und Kani liegen auf einer rosa schimmernden Plastikfolie. Die Aufnahme aus der Vogelperspektive zeigt ihre farblich abgestimmten Outfits in rosa und hellblau und ihre lackierten Fingernägel.

TC: 00:01:51

Karla steht in ihrem weißen Paradekostüm mit roten und blauen Streifen neben Kani, der ihren Paradestab hält. Vor einem Brunnen unterhalten sie sich, im Hintergrund sind viele Menschen zu sehen, darunter ein Mädchen im gleichen Paradekostüm wie Karla.

TC: 01:13:57

Kani sitzt mit einem Cowboyhut auf einem braunen Pferd. Ein weiteres braunes Pferd, ein Gewässer und eine braune Felslandschaft prägen die Szene.

TC: 01:14:35

Nahaufnahme von Kani mit weißem Hemd, Base-Cap und Sonnenbrille. Im Hintergrund sind Transflaggen in Rosa, Hellblau und Weiß zu sehen.

TC: 01:17:52

Informiere dich über die Rolle der Regie im Film.

Die Regie hat die künstlerische Leitung einer Filmproduktion inne: Sie ist verantwortlich für die kreative Filmgestaltung in Bild und Ton während der Vorbereitung, beim Dreh und in der Postproduktion. Auf der Grundlage des meist vorliegenden Drehbuchs inszenieren Regisseur/-innen nach ihrer Interpretation den Drehort, die Kamera und die Schauspieler/-innen, bzw. bei dokumentarischen Formen die Protagonist/-innen.

Zwar gilt die Regie als kreative Urheberin des fertigen Films, doch sind Filmproduktionen Teamarbeit. Der Regie kommt dabei die Aufgabe zu, die verschiedenen künstlerischen Abteilungen abzustimmen und die Produktion zusammenzuführen, sodass ein einheitliches Gesamtbild entsteht. Besonders eng arbeitet sie mit Drehbuch, Casting, Kamera und Schnitt zusammen. Wie viel Gewicht die Regie hat und wie viel Eigenverantwortung die einzelnen Gewerke übernehmen, ist unterschiedlich und hängt auch von der Größe der Filmproduktion ab. Zudem haben bei großen Projekten die Produzent/-innen oft starken Einfluss auch auf künstlerischer Ebene.

Quelle: „Regie“ im Filmglossar, kinofenster.de

Warum hat der Regisseur Kani sich deiner Meinung dafür entschieden auch vor der Kamera zu agieren? Tippe an, was zutreffen könnte.

Aufgabe 6b

Lies die folgenden Interviewausschnitte. Markiere alle Stellen durch Antippen, die etwas über die Zusammenarbeit zwischen Karla und Kani verraten.

Interview mit Kani Lapuerta

DOK Leipzig:
Könntest du uns zunächst etwas über die Ausgangsidee für deinen Film erzählen? Wie hat sie sich entwickelt? Hattest du bestimmte Ziele, die du mit diesem Film erreichen wolltest?

Kani:

DOK Leipzig:
War es von Anfang an geplant, dass du auch im Film zu sehen sein würdest? Oder kam diese Idee erst später hinzu?

Kani:

DOK Leipzig:
Weißt du noch, zu welchem Zeitpunkt während der Filmproduktion Du die Entscheidung getroffen hast, im Film zu sehen zu sein?

Kani:

Quelle: https://www.dok-leipzig.de/sites/default/files/2026-02/20251018_BM2_Ninxs.pdf

Aufgabe 6c

Stell dir vor, du bist Journalist*in und interviewst den Regisseur Kani Lapuerta. Welche Fragen würdest du ihm stellen?

Frage 1

Frage 2

Frage 3